Re: Heiratsvideo von Fabienne Jankovic (geb. Tiemann)

Alles, was nicht in die anderen Kategorien passt, aber mit dem Heide-Park Soltau in Zusammenhang steht.

Re: Heiratsvideo von Fabienne Jankovic (geb. Tiemann)

Beitragvon Park-Freak » Mi 14. Jul 2010, 16:24

Hallo!

Eins vorweg: Diesen Beitrag habe ich zwar schon in einen anderen Forum ähnlich verfasst, aber wer das Video noch nicht gesehen hat, hat nun die Gelegenheit dazu.
Ehrlich gesagt habe ich es irgendwie vergessen hier auch zu posten :oops:

Habe mal wieder eine von meinen kleinen Recherchen durchgeführt und will euch natürlich das Video der Heirat von Fabienne und ihrem Mann Milisav nicht vorenthalten.
Außerdem gibt es ein kurzes Interview mit Mariella (die zu dem Zeitpunkt übrigens schwanger war) und von der Mutter der beiden "Mädels".

Für alle die Fabienne nicht kennen: Sie ist eine der vier Kinder von Heide-Park-Gründer Hans-Jürgen Tiemann. Inzwischen hat sie einen Job bei Zepter International. Dazu ist es wohl durch ihren Ehemann gekommen, Die Familie Jankovic bzw. die Familie Zepter betreiben dieses Unternehmen. Der Gründer dieses Unternehmens, Philip Zepter, ist einer der reichsten Serben der Welt.

http://www.youtube.com/watch?v=-RKQJMNj ... r_embedded
Lösungen und Tips zu Social-Games auf Facebook findet ihr unter: https://www.youtube.com/user/Daddeldooo/videos?flow=grid&view=1
Park-Freak
 
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Re: Heiratsvideo von Fabienne Jankovic (geb. Tiemann)

Beitragvon Papa » Do 15. Jul 2010, 09:03

Hallo Sascha,

vielen Dank für den Hinweis auf das Video! Interessant Fabienne und Mariella als Erwachsene einmal wieder zu sehen. Kenne Sie nur aus den Anfangsjahren des Heide-Park als Klein- bzw. Schulkinder. Spannend was die vier Kinder heute so alles machen und wie weit Sie verstreut sind. Die Firma "Zepter" befindet sich mit seinen Kosmetik-, Medizin-, Haushalts- und Luxus-Produkten so gar nicht im Freizeitparksektor. Fabienne hat auch eine Facebook-Seite: Fabienne Jankovic

Weiß jemand, was die anderen drei Tiemann-Sprößlinge (Marcel, Pascal und Mariella) so beruflich machen und in welchen Ländern Sie wohnen? Marcel scheint Rennfahrer (Wikipedia / Statistik) zu sein und in Monte Carlo (Monacco) zu wohnen. Hatte wohl Ende Mai 2010 einen schweren Autounfall (Link). Mariella war (zumindest Nebenberuflich) ein Model, als Sie in Südfrankreich zur Schule ging. Dort scheint Sie jetzt Schauspielerin zu sein. Fabienne wollte damals eine Hotelfachschule besuchen und Pascal hat ein BWL-Studium absolviert. Selbst der Vater, Hans-Jürgen Tiemann, war im Motorsport erfolgreich: Wikipedia

In der "Zeit" ist im Jahr 2000 auch ein Artikel über "Aufwachsen in Freizeitparks" erschienen, in dem die Tiemanns vorkommen: Artikel
Zu Hause in der Achterbahn - Sie wachsen dort auf, wo für andere das Paradies ist: Zwischen Riesenrad, Scooter und Kübeln voller Popcorn

Das große Sturmboot liegt nur 20 Meter vom Kinderzimmer entfernt. Lange Zeit kann Stefan dort nicht schlafen, nur im Autoscooter findet er Ruhe. Am frühen Abend geht die Mutter mit ihm rüber zum Autodrom

sie fährt, und er schlummert in ihren Armen ein. Die Wagen krachen ineinander, und die Musik spielt, das ist beruhigend, macht glücklich. Um acht lagen wir als Kinder dann im Bett, erinnert sich sein Bruder Thomas, und nebenan schrien die Leute in der Schiffsschaukel wie am Spieß. Du gewöhnst dich an den Krach, hier im Prater in Wien, ich würde ihn vermissen.

Wenn du schreist und lachst, sagt Sabrina, dann verlierst du die Angst vor der Achterbahn. Diese Lebensweisheit haben sie und ihre jüngeren Zwillingsschwestern gelernt im Spreepark im Osten von Berlin, der ihren Eltern gehört.

Wenn es ganz ruhig ist, sagt auch Fabienne, die im Heidepark bei Soltau groß wurde, dann stimmt für mich etwas nicht. Oder es ist Winter. Das Rattern der Loopingbahn klingt für sie und ihre Geschwister vertraut und angenehm wie das Rauschen vom Meer. Mit dem besten Spielplatz direkt vor der Haustür sind sie aufgewachsen und mussten nicht wie die Besucher nach Hause fahren, wenn es Abend wurde.

Endlos Achterbahn fahren, jeden Tag durchgerüttelt und beschleunigt, bis es nicht mehr geht. Das ist ein Kindheitstraum. Aber wie ist es, jeden Sommer und eine Kindheit lang, so zu leben? Immer vergnügte Menschen zu sehen, die für einen Nachmittag die Extreme suchen, wenn die Saison im Prater, dem Spreepark oder Heidepark wieder begonnen hat?

DEN HEIDEPARK BEI SOLTAU,
einen der größten Freizeitparks in Deutschland, sieht und riecht man schon von weitem. Wolken von Popcornduft wehen dem Besucher lange vor dem Parkplatz entgegen, über dem der mächtige Bär Humbo thront. Humbo ist die Inkarnation von Spaß, sagt Fabienne.

Die Tiemanns, die den Heidepark 1978 gegründet haben, sind eine gut gelaunte Familie, die gerne gut und viel isst. Hier müssen die neuen Potato-Skins probiert, dort Bratwurst getestet werden. Ich bin über die Jahre süchtig nach Popcorn geworden, sagt Fabienne, der Fünflitereimer im Kino reicht mir nicht mehr.

Mit der Achterbahn zu fahren ist für sie kein großes Abenteuer mehr. In der Loopingbahn waren die vier Geschwister unendlich oft. Wenn es geregnet hat, ist man einfach sitzen geblieben, sagt Mariella. Vielleicht war das für ihren Bruder Marcel kein schlechtes Training: Der 26-Jährige fährt inzwischen Rennen für Mercedes. Der Reiz ist, da zu bremsen, wo das Limit liegt, sagt er, und das klingt so, als habe er das früher nicht immer so gut gekonnt.

Der Park war der Mittelpunkt, sagt Marcel. Du hast mit dem Park gelebt. Die Hausaufgaben machten sie um die Ecke von der Achterbahn. Krokodiltrainer waren die ersten Respektspersonen, neben den Eltern, die nie viel Zeit hatten. Auf einer Plattform im Mountain-Rafting, an der höchsten Stelle der Bahn, fragten Marcel und Pascal Mädchen, bevor sie in die Tiefe schossen, nach ihren Telefonnummern. Das klingt paradiesisch, sagt Marcel, aber so war es nicht immer.

Der Park war auch das Zentrum von Problemen, zum Beispiel mit Lehrern, denn der Park lässt dir die Fantasie und Freiheiten, die Dinge anders zu sehen. Marcel nahm die Schule nicht so wichtig wie die Lehrer, die ihm auch gern über die umweltschädlichen Aspekte des Parks vorpredigten. Als er das Nörgeln und auch den Neid nicht mehr ertrug, ging er weg von Soltau und dem Park, auf ein Internat. Heute lebt er wie seine Geschwister, die noch zur Schule gehen oder studieren, in Südfrankreich.

Der Park war immer auch Arbeitsplatz, nicht nur für die Eltern. Es war selbstverständlich im Familienunternehmen Heidepark, zu helfen, ohne dafür mehr Taschengeld zu verlangen. Mit seinem Bruder stand er oft am Wochenende auf dem Parkplatz, wies die Autos ein, wenn andere Jugendliche baden gingen, oder rannte im Bärenkostüm herum und ließ sich von Besuchern fotografieren. Als mein Vater einmal Verdacht schöpfte, erzählt Fabienne, stellte er meinen Bruder in seinem Fellkleid auf den Kopf und schüttelte ihn kräftig. Da fielen lauter Münzen auf den Boden, die er von den Gästen kassiert hatte.

Das Schöne ist, dass du andere glücklich machen kannst, sagt Mariella. Wo hast du schon so viele Menschen an einem Ort, die Spaß haben? Vielleicht färbt das ab, wenn man immer lachende Leute sieht, mit lustigen Hüten auf dem Kopf oder Liebesäpfeln in der Hand. Die gute Laune steckt uns in den Knochen. Selbst wenn wir schlecht drauf waren, ließen wir uns das nicht anmerken, sagt Fabienne.

Am schönsten aber war der Park für sie, wenn die Achterbahnen schlossen. Wenn es ruhig wurde in Funtown, spielten sie Verstecken zwischen den surrealen Maschinen. Nur die Freiheitsstaue schaute ihnen zu. Sie fuhren mit Skateboards und kleinen Motorrädern über das Gelände und suchten die anderen, die in riesigen Kaffeetassen saßen oder im Skelett der Loopingbahn hingen.

Der Heidepark ist ein Ort der Superlative, dies gilt für die Pommes, das Popcorn, die Fahrgestelle und auch für die ganze Familie Tiemann. Wir leben hier in einem Idyll, sagt Fabienne, blickt hinab auf diese Kunstwelt aus Styropor und Stahl. Im Hollanddorf, das in den hauseigenen Ateliers entworfen und gebaut wurde, dreht sich sanft das Windrad. Hier kann Gemüse sprechen, und große Vögel spielen auf der Gitarre.

Die Tiemanns wirken wie einem Bilderbuch entlaufen. Marcel ist Rennfahrer. Mariella geht noch zur Schule, in Südfrankreich, und arbeitet als Model. Vielleicht steht am Waldrand, wo sie früher Holzhütten bauten mit alten Brettern aus den Werkstätten, in ein paar Jahren schon ein Hotel. Denn Fabienne will die Hotelfachschule besuchen. Und Pascal könnte nach seinem BWL-Studium den Park noch weiter nach vorn bringen.

Aber jedes Paradies hat seine Schattenseiten, weil genau die ihm fehlen. Irgendwann wird einem das Looping langweilig. Dafür war es früher ein Abenteuer, wenn ich nach Hamburg gefahren bin, sagt Pascal - die Wirklichkeit anschauen. Und Fabienne erzählt, wie sie sich in Südfrankreich nun selbst versorgt. In den Supermarkt gehen, den Kochtopf auf den Herd stellen, Nudeln machen, das musste man früher im Paradies nicht, da gab es an den Buden Schokoladenpudding umsonst. Das hört sich nach Heimweh ins Idyll an. Denn hier in Soltau ist selbst das Wohnzimmer des Elternhauses fantastisch, in dem Harley-Davidsons neben der himmelblauen Couchgarnitur stehen. Die Familie ist wie das Spiegelbild ihres Parks, sodass man sich fast fragen könnte: Wer hat hier wen erfunden?


IM SPREEPARK gibt es ein Spiegelkabinett, seit Sahra es auf einem Rummelplatz in Hannover getestet hat. Ich habe es mir von meinem Vater gewünscht, sagt sie und läuft mit ihrer Zwillingsschwester Chantal hinein in das gläserne Labyrinth, als wäre es ihr Wohnzimmer. Jeden Winkel kennen sie hier, jedes Hindernis, gegen das andere unweigerlich stoßen würden. Aus dem Geisterhaus nebenan dampft Nebel. Skelette kippen aus der Wand, abgehackte Köpfe rollen in Kübel, von der Seite greift eine lebende Kinderhand aus dem Dunklen.

Chantal ist hier zu Hause, gehört dazu wie eins der Gespenster.

Als die Eltern, die aus einer alten Schaustellerfamilie stammen, vor acht Jahren den Park übernahmen, der von Walter Ulbricht im Jahr 1969 gegründet wurde, gab es hier noch kein Horrorkabinett, kein Cowboydorf, keine Loopingbahn. In einem schlechten Zustand habe er den Park übernommen, sagt Sahras Vater. 18 Hektar Beton waren das, mit ein paar Buden darauf und einem Großraumparkplatz für kaputte Trabis. Das bedeutete viel Arbeit am Park, der nach und nach den Standards der westlichen Vergnügungsindustrie angepasst werden sollte. Doch immer noch gibt es hier Relikte aus vergangenen Tagen. So sind zum Beispiel ein paar Kunststoffschwäne übrig geblieben aus der Zeit des real existierenden Sozialismus. Sie haben Patina angesetzt und schwimmen doch würdig neben der neuen Wildwasserbahn.

Selbst im Urlaub schaute man sich andere Freizeitparks an, vor allem in Amerika, denn Herr Witte wird ganz unruhig ohne Karussells. Die Kinder waren froh, wieder aus Amerika zurück im Spreepark zu sein, sagt er. Die Burger schmecken dort doch anders, sie wissen eben, was sie hier haben. Trotzdem will er jetzt einen neuen Parkeingang bauen, nach amerikanischem Vorbild. Teo Tintenklecks, das Maskottchen des Parks, der gegen den Heidepark-Humbo spartanisch wirkt, wird aber auch diese Modernisierung überleben.

Der Spreepark wirkt ein wenig wie das Vergnügungszentrum von Coney Island in New York: Fast behäbig bewegen sich die Fahrgestelle, als wollten sie eine lange Geschichte erzählen. In diesem Park schlendert man mehr, als dass man rast. Eines der beliebtesten Fahrgestelle von Chantal, Sahra und Sabrina ist keine High-Tech-Bahn, sondern eine riesige Spinne, die ihre Beine kreisen lässt. Im Happy Spider schweben die Kinder der Wittes oft durch den Nachmittag. Die lange Zeit zwischen den Hausaufgaben und dem Schlafengehen kann man nur im Looping etwas beschleunigen.

Mit einem Kreischen schwingt das Piratenschiff vorbei, eine Horde Seekranker an Bord, die heraustaumeln. Sabrina lacht, ihr wird hier schon lange nicht mehr schwindelig. Nur Looping ist immer noch ein Kick: Der Puls rast, man ist durchgeschüttelt bis ins Mark. Vielleicht wachsen einem, wenn man so viel gerüttelt und geschleudert wird, die so genannten funny bones: Die haben sonst nur Komiker, denen der Witz angeboren ist.

Die Familie Witte hat vielleicht mehr von diesen funny bones als andere Menschen. Falls der Spreepark nicht gut besucht ist, was vorkommt, verlieren sie nicht die Laune. Und wenn man ein 15-jähriges Mädchen sieht, das durch den Park hopst und dabei die Venga Boys oder Tom Jones singt, dann ist es Sabrina. Sie hatte schon immer Musik in den Ohren, seit kurzem spielt sie in einer Band. Wenn es mit der Musik nicht klappe, dann werde sie Rechtsanwältin, sagt sie und lacht.

Später, sagt Sahra, möchte ich den Park übernehmen, dann kann ich so viel Achterbahn fahren, wie ich will. Die beiden Zwillingsschwestern gehen prinzessinnenhaft ihr Reich ab, in dem es überall Zuckerwatte gibt. Wie bei Alice im Wunderland gelten hier eigene Gesetze. Wenn man sie kennt, dann klappt alles wie von selbst. Ein Fingerschnippen - und die Schiffsschaukel bremst. Ein Winken mit der Hand, schon hält die bunte Dampflokomotive, die sie wie ein Privattaxi von Fahrgestell zu Fahrgestell fährt. Wenn sich alles um einen dreht, dann wird man von selbst zum Mittelpunkt.

Doch manchmal wird es sogar den 10-jährigen Zwillingen zu viel. Dann kriechen sie unter ein breit ausladendes Gebüsch, wo sich auch die größere Schwester Sabrina früher versteckte. Manchmal halten wir hier ein Mittagsschläfchen, sagt Chantal und räumt die Stummel von den Schokoladenzigaretten weg. Ein kleines Paradies, wenn das große zu laut und voll wird.

Dieses Gefühl, man sei der Dreh- und Angelpunkt der Welt, ist bei Sabrina über die Zeit getrübt worden. In der Schule erzählt sie niemandem mehr, dass ihren Eltern der Spreepark gehört. Ich will, dass die Leute mich mögen wegen mir selbst. Und nicht weil sie durch mich umsonst Achterbahn fahren können.

In dem kleinen Familienbetrieb gab es von Anfang an viel zu tun. Die Mutter kümmert sich um die Gastronomie und die insgesamt fünf Kinder. Der Vater forscht nach neuen Ideen, deren Spaßfaktor von den Kinder getestet wird, die auch mal zum Probefahren in andere Parks geschickt werden. Dem Schwiegersohn wurden die Reparaturen an den Fahrgestellen übertragen.

Auch die Großmutter fährt immer noch gern mit. Und selbst die zweijährige Enkelin hängt schon am Karussell. Nach ihr hat man eine der neuesten Attraktionen benannt: Roll over Jil. Doch die Kleine hat sich in die alte Bobbahn verliebt. Jils Haarschopf, der wie der Kopfschmuck eines Zirkuspferdchen wackelt, taucht hier immer wieder zwischen den Knien in der Besucherschlange auf. Sie drängelt sich vorbei zum Eingang in die Bahn.

Schnell ist sie wieder ganz vorn und fährt mit hochrotem Kopf Richtung Himmel, der in den nächsten Sekunden wegkippen wird, als hätte es ihn nie gegeben. War das nicht schon die vierte Talfahrt hintereinander?

Es gibt ein paar Rätsel, die den Spreepark ausmachen. Zum Beispiel dieser seltsame Brand, der zwei Jahre hintereinander, am gleichen Tag, in einem Imbiss auf dem Gelände ausbrach. Chantal flüstert: Seltsam. Doch die meisten Geschichten erzählen Mitschüler. So ein Vergnügungspark ist dafür ein guter Ort. Heute hat einer im Unterricht gesagt, erzählt Sabrina am Abend, dass bei uns eine Gondel weggeflogen sei und im Baum hängen blieb. Genervt sagt sie das, aber auch mit einem kleinen Fragezeichen. Das ist Unsinn, sagt der Vater, das hätte doch in der Zeitung gestanden. Er hat wirklich genug anderes zu tun.

IM PRATER ist das Geschäft mit dem Vergnügen ein Knochenjob. Wenn die Sonne neben dem Riesenrad aufgegangen ist, geht Stefan von seiner Wohnung aus rüber zum eigenen Fahrgeschäft, dem Tagada. Das sind nur ein paar Minuten. Er setzt sich in das Fahrerhäuschen neben dem Karussell, auf dem ein Elvis-Sticker klebt. Vor ihm liegt ein Pult mit Knöpfen, Hebeln und Lämpchen, das einen an die Fernsteuerung eines Spielbootes erinnert - und ein langer Arbeitstag, der erst gegen Mitternacht zu Ende sein wird. Im Blaumann kommt sein Bruder Thomas vorbei, er arbeitet heute am Karussell Sombrero, das soll in einer Woche laufen. Sie wechseln sich tageweise ab, hier im Tagada.

Stefan wirft das Karussell an, legt eine CD ein, richtet das Mikro auf Sprechhöhe. Der kreisrunde Boden mit einer Sitzbank an der Außenwand beginnt sich zu drehen, immer schneller, schon vom bloßen Zusehen könnte einem schwindelig werden. Dann hebt und senkt sich der Boden mit hydraulischem Zischen. Schon bald kommen Jugendliche an, es ist Samstag gegen elf Uhr, also keine Schule. Stefan fragt sie jeweils nach ihren Namen und kassiert.

Es sind die ersten Kandidaten heute im Tagada, die es wie die Salatblätter in einer Küchenschleuder an die Außenwand pressen wird. Unter Stefans Spiegelbrille macht sich ein Grinsen breit. Gaby, du hast das schönste Lächeln, das ich seit langem bei dir gesehen habe, sagt er, obwohl er sie gar nicht kennt. Er ist der größte Charmeur vom Prater, neben seinem Bruder.

Zumindest tut er alles, um so zu wirken, wobei ihm seine Elvis-Locke hilft.

Stefan und Thomas sind hier aufgewachsen. Der erste Ausflug aus dem Krankenhaus im Kinderwagen war über die Hauptallee direkt hinein in den Prater. Damit wir uns schon mal an die Lautstärke hier gewöhnen. So hat es uns unsere Mutter erzählt. Die Familie Zittel arbeitet schon in der dritten Generation im Prater. Vor 100 Jahren fingen sie als Gastwirte an. Sie erlebten den großen Brand, als die SS das Gelände anzündete, und die ersten kleinen Vergnügen nach dem Krieg, als es reichte, einen Kübel aufzustellen, in den man Bälle warf. Heute hat die Familie sieben Fahrgeschäfte, was viel ist für den Prater. Und die Söhne führen die alte Tradition fort, hier zu arbeiten und zu wohnen.

Die Haustür der Familie Zittel würde niemand finden, der einfach nur so über den Rummelplatz läuft. Im Wesentlichen besteht sie aus einem Griff, der rechts unten in der Kulisse eines Fahrgestells steckt. Dann öffnet sich ein kleiner Spalt in der bunten Fassade, und man steht direkt im Eingangsbereich, der zum Wohnzimmer führt. Gedämpft hört man die Geräusche des Praters, die hier allgegenwärtig sind. Vom Schlafzimmer der Eltern aus sieht man das Riesenrad. Am Wohnzimmertisch, wo sonst der Fernseher stehen würde, zeigen Monitore, was an den Fahrgestellen der Familie gerade passiert. Wie im Kaufhaus, sagt Thomas. Und doch ist das hier ihre Oase, der private Ort, hinter den Fahrgestellen, unzugänglich für alle anderen.

Das Leben im Prater würden die beiden gegen kein anderes eintauschen. Stefan ist Maschinenschlosser, Thomas Elektrotechniker, das können sie hier gebrauchen - auch in dem Fall, dass es mal nicht so laufen sollte mit den Karussells. Doch die Geschäfte gehen gut, vor allem das Tagada, das sie vor acht Jahren kauften. Sie machten aus dem alten Ding die große Attraktion für Jugendliche, machten es schneller und ließen eine neue Kulisse malen. Die Skyline von New York mit Frank Sinatra und Elvis Presley, den man leider nur von hinten sieht. Ein Fehler des Malers, sagen die beiden Elvis-Fans etwas sauer. Ihr Lieblingslied: In the Ghetto.

Manchmal kommen wir zwei, drei Monate nicht aus dem Prater raus. Um ein Uhr morgens sperren sie das Tagada zu. Ihre Freundinnen holen sie ab, oder sie gehen mit dem Vater und den Hunden noch mal über den Prater, der dann wie ein friedlich schlafendes Tier daliegt. Nach der lauten Musik braucht man noch eine Weile, bis man ins Bett gehen kann. Und um neun Uhr fangen wir dann wieder an. Das geht den ganzen Sommer so.

Es ist nicht einfach mit dem Privatleben. Meine Freundin kellnert hier in einem Gasthaus, sagt Stefan. Aber nicht jede, auch wenn sie den Prater kenne, habe für ihre Arbeit Verständnis. Wir sind den ganzen Tag im Tagada, und jedem zweiten Mädchen hier geben wir das Gefühl, dass es was ganz Besonderes ist, indem man eben ins Mikrofon sagt, sie habe das schönste Lächeln. Was wir hier machen, sagt Thomas, ist ja das professionelle Anbrateln von Girls.

Das ist aber nur ein Grund, warum es nachmittags im und um das Tagada so voll ist. Stefan und Thomas haben über die Jahre einen ganz eigenen Moderationsstil entwickelt. Irgendwann verselbstständigte sich das Tagada, hob vom Rummelplatz ab in eine andere Dimension. Wie ein kleiner, eigener Planet saust es durch den Nachmittag, ein Karussell voller Fantasien und Pop.

Denn nach drei Uhr nachmittags im Tagada treffen sich fast jeden Tag 50 Jugendliche, die nicht nur im Karussell mitfahren, sondern darin tanzen. Ein Freund von Stefan hat damit angefangen, sich hinzustellen und in der Rotation zu bewegen. Andere machten es nach und entwickelten einen Tanz daraus, den auch Experten nur irgendwo zwischen Breakdance und Disco verorten könnten.

Elegant wie Surfer gehen sie mit den Zentrifugalkräften, gleiten in den Wellen des Karussells. Jeden Tag kommen Jugendliche aus anderen Bezirken und zahlen einmal für den ganzen Nachmittag. Sie sei süchtig, sagt eine. Es ist ein Kampf, nicht mehr hinzufallen in dem Karussell, sondern stehen zu bleiben.

Eine Figur verkörpert den Prater und seine Mentalität am besten: der Wurstel - eine Art Kasperl. Den Wurstel, den kann man nicht erschlagen. So geht ein alter Schlager. Der Prater ist kein Paradies, man muss es sich selbst erarbeiten. Als Stefan und Thomas klein waren und sich Banden von außen in dem Gelände einmischten, kamen sie oft mit einem blauen Auge nach Hause. Von ihrem Vater, der schon einmal an den olympischen Spielen teilgenommen hat, lernten sie Boxen. Inzwischen sei es viel besser, sagen die beiden, wieder mehr wie eine Familie. Der Prater sei aber nicht der Prater, wenn man ihn zum sauberen Freizeit- und Familienpark machen würde, für den man Eintritt verlangt. Ein Teil von Wiens 1. Bezirk, also der Innenstadt, sei er, und kein Disneyland.

Seit fünf Stunden sitzt Stefan im Fahrerhäuschen des Tagada, umgeben von Musik und schreienden Gästen. Es ist erst drei Uhr nachmittags. Seine Freundin kommt vorbei, doch er will nicht, dass sie bleibt. Er muss sich auf die Fahrt des Karussells konzentrieren. Nebenan schraubt Thomas am Sombrero.

Ihr kleiner Bruder ist wieder mal an seinem Lieblingsplatz, dem schwarzen Raum im Funhouse, in dem keine Wand gerade ist.

Das Leben auf dem Prater ist schön, sagt Stefan. Nur manchmal geht es ihm ab, dass er nie wie andere Kinder in diese Traumwelt eintauchen konnte, wenn sie das erste Mal hier waren. Für ihn war das immer Gewohnheit, der Prater.

Genauso wie durch das Schreien der Menschen aufzuwachen.


Der "Opa", Otto Tiemann, war damals (1975) als Betreiber des Europaparks vorgesehen, verstarb aber kurz vor der Eröffnung. Die damaligen Eintrittskarten mit dem Namen "Tiemann" waren aber schon gedruckt und wurden verkauft.
Europapark-Eintrittskarte-Tiemann-1975-01.jpg

Da Du selbst ein schlechtes Gewissen hast, das Du es hier erst so spät gepostet hast, muss ich Dir das ja nicht mehr vorhalten! :lol:

Schöne Grüße und weiter so,
Mathias
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Schweizer Handelsreg.: Firma von Marcel & Fabienne Tiemann

Beitragvon Papa » Fr 16. Jul 2010, 13:59

Hallo zusammen,

durch einen Tipp von Sascha Klemm (park freak) bin ich an ein Dokument gekommen, das einen Handelsregisterauszug aus der Schweiz beinhaltet. Es ist aus dem April 2010, also noch relativ aktuell. Dort geht es um die Gründung einer Firma mit dem Namen "KOI-Management GmbH", deren Besitzer Marcel Tiemann und Fabienne Jankovic (Tiemann) sind.

Schweizer_Handelsregister-Marcel_und_Fabienne_Tiemann-KOI_Management_GmbH.pdf

Falls Ihr noch irgendwelche Informationen über die Familie habt, egal ob Texte, Bilder, Links oder Dokumente, dann würden wir uns freuen, wenn Ihr diese hier postet oder uns anonym per Mail zusendet.

Schöne Grüße
Mathias
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